Kalingeling – Verdienstkonzepte im Netz

Social-Micropayment: Wer erhält was?

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Da die Social-Micropayment-Dienste Flattr und Kachingle ihre Transaktionen derzeit nur über Konten der Bezahldienste Paypal und Moneybookers abwickeln, wäre einmal eine Übersicht angebracht, wer letztendlich bei welcher Zahlung wieviel Geld erhält.

Zunächst wären da die Gebühren, die die Micropayment-Dienste selber erheben. Flattr veranschlagt 10% auf den Erlös des Empfängers. Kachingle behält 15% vom Erlös. Während jedoch bei Kachingle in dieser Gebühr bereits sämtliche Transaktionskosten für Paypalüberweisungen enthalten sind, müssen diese bei Flattr noch dazugerechnet werden.

Flattr

Als erstes betrachten wir die Kosten für Flattr:

Gebührenübersicht Flattr

Wer nur etwa einen Euro über den Klick auf den Flattr-Button zugewiesen bekäme, der wäre denkbar schlecht dran: Nur etwas mehr als die Hälfte würde ausgezahlt, und vom Rest gingen Dank der Grundgebühr von 0,35 Euro mehr als dreieinhalb mal so hohe Gebühren an Paypal wie an Flattr.

Ein ideeller Break-Even wäre bei etwa 5 Euro erreicht. Ab jetzt erhielte Flattr mehr Gebühren als Paypal, und mit etwas mehr als 81% Auszahlungsverhältnis stünde man auch nicht mehr so schlecht da. Faktisch erlaubt Flattr laut Nutzungsbedingungen Auszahlungen erst ab einem Betrag von 10 Euro (Minimum Revenue Level). Mit steigendem Klickerlös pegelt sich das Auszahlungsverhältnis schließlich bei etwa 88% ein, und Paypal erhält letztendlich etwa ein Sechstel dessen, was Flattr an Gebühren einbehält.

Eine Alternative zur Nutzung von Paypal ist Moneybookers. Die erheben im Gegensatz zu Paypal ihre Gebühren für das Senden von Beträgen. Leider ist momentan nur das Aufladen des Flattr-Kontos über Moneybookers möglich (mit entsprechend speziellen Flattr-Gebühren von 0,20 Euro + 2% des Betrages). Die Flattr-Erlöse Richtung Moneybookers zu überweisen, ist derzeit leider nicht möglich, aber für die Zukunft angedacht. In diesem Fall wäre tatsächlich Moneybookers für Europäer die günstigere Lösung. Allerdings muss das Geld vom Moneybookers-Konto ja auch irgendwann auf’s Girokonto transferiert werden, wofür wieder Gebühren anfallen.

Übrigens: Wer sich wundert, dass er beim Aufladen seines Flattr-Kontos über Paypal Gebühren zahlen soll (Hallo, Paypal-Gebühren für’s Senden von Geld???): Das Flattr-Konto ist im Prinzip ein Paypal-Konto. Deswegen wird Geld empfangen. Und die dafür fälligen, speziellen Flattr-Paypal-Gebühren reichen die Betreiber an den Überweiser weiter.

Kachingle

Bei Kachingle ist die Gebührenstruktur zwar linearer, dafür wegen der Umrechnungen zwischen US-Dollar und Euro etwas verlustreicher:

Gebührenübersicht Kachingle

Kachingle erhebt 15% auf den Erlös, übernimmt dafür jedoch alle anfallende Transaktionsgebühren von und nach Paypal. Was der Nutzer jedoch danach auf seinem Paypal-Konto mit dem Geld anfängt, das belastet seine eigene Brieftasche zusätzlich. Kachingle überweist nämlich in US-Dollar, und entweder rechnet Paypal das beim Empfang gebührenpflichtig in die Heimatwährung um oder erhebt spätestens bei der Überweisung auf ein Euro-geführtes Konto Wechselkursgebühren von 2,5%. Entsprechend hoch sind die Verluste für europäische Kachingle-Nutzer.

Sobald Kachingle die Erlöse auch in Euro auszahlt, dürften zumindest die Wechselgebühren wegfallen. Außerdem bietet Kachingle noch eine Menge Potenzial bei der Optimierung der Transaktionsprozesse, so dass sich weitere Einsparungen bei den Gebühren ergeben können.

Derzeit ist Flattr also für europäische Nutzer die etwas günstigere Alternative. Wer allerdings seinen Seitenbesuchern mehr Funktionalität beim Spendieren bieten möchte und nicht allzu hohe Beträge erwartet, der dürfte auch mit Kachingle gut fahren. (Siehe Nachtrag weiter unten und Update-Beitrag).

Letztendlich dürfte sich aber unter anderem eher das System durchsetzen, dass den reinen Geldgebern nicht schon bei der Einzahlung auf’s Konto zu hohe Gebühren abverlangt. Ansonsten werden die Netzkreativen schnell leerlaufen, da die Spender allein wegen der hohen Nebenkosten den Systemen fernbleiben.

Nachtrag: Aufgrund eines Umrechnungsfehlers war der Unterschied zwischen Flattr- und Kachingle-Erträgen unverhältnismäßig hoch. In der Tabelle ist das nun korrigiert.

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Written by Michael

20. Juli 2010 um 15:08

Veröffentlicht in Flattr, Kachingle, Paypal, Statistik

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5 Antworten

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  1. [...] Ein Artikel von Michael Sahm auf dem Blog Kalingeling: [...]

  2. Guten Morgen!

    Klasse Artikel, endlich macht sich mal jemand den Rechenaufwand und geht die finanziellen Transaktionen im Detail durch. Sehr schön dargestellt auch mit dem relativen Verhältnis von Auszahlung und Erlös. Schade, dass Moneybookers noch nicht vollständig vergleichbar ist, mit denen habe ich am wenigsten Erfahrungen.

    Da Du gerade so schön drinsteckts und falls Du noch ein wenig Zeit hast, würden mich folgende Angaben noch interessieren:
    a) Flattr: Wieviel wird bereits beim Aufladen des Kontos abgezogen? Oder ist es bereits enthalten, aber durch die Reihenfolge der Spalten nicht ganz klar?
    b) Wie ist denn das Verhältnis Auszahlung/Erlös bei Kachingle? Das wäre im Sinne der Vergleichbarkeit sehr spannend.

    Die veränderte Wortwahl vom Spenden zum Spendieren finde ich übrigens klasse und überlege sie evtl. zu übernehmen ;)

    Danke für den Artikel!

    Jörg Eisfeld-Reschke

    21. Juli 2010 at 08:28

    • Achso, und der Kachingle-Hold ist bis 3,35 Dollar. Das war diese Starbucks-Geschichte.

      Jörg Eisfeld-Reschke

      21. Juli 2010 at 08:32

    • Guten Morgen Jörg,

      die Tabellen beziehen sich auf den Erlös des jeweiligen Dienstes. Die Aufladegebühren der Konten sind nicht erfasst.

      Bei Flattr betragen sie 0,35 Euro + 3,4% von einem Paypal-Konto und 0,3 Euro + 2% von einem Moneybookers-Konto. Beide Tarife scheinen dabei speziell mit Flattr ausgehandelt zu sein, denn keiner taucht in dieser Form auf den Bezahldienstseiten auf.

      Bei Kachingle ist die Betrachtung der Verhältnismäßigkeit der Gebühren so gut wie unmöglich. Durch die Pauschale von 15% kann man nur schwer nachvollziehen, wieviel davon letztendlich bei Kachingle und wieviel bei Paypal landet (zumal es unklar ist, ob Kachingle nicht auch einen speziellen Spezialtarif ausgehandelt hat).

      Meine Überzeugung ist, dass wie bei Flattr bei höheren Erlösen Kachingle besser bedacht wird, da dann die Paypal-Grundgebühr von 0,35 Euro weniger ins Gewicht fällt. Eine bessere Übersicht sollte möglich sein, sobald Kachingle auch in Euro auszahlt. Da die sich besonders in Deutschland sehr bemühen, sollte das nicht mehr lange auf sich warten lassen. Nach wie vor wäre es dann aber immer noch unklar, was Paypal letztendlich erhält (siehe Spezialtarif). Ein wenig mehr Transparenz von Seiten Kachingles wäre löblich…

      Viele Grüße aus Aachen
      Michael

      Michael

      21. Juli 2010 at 08:47


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